Auszug Umzug Weg!
Mai 1, 2008
Liebe, kleine Leserschaft:
Mein Blog zieht um, genauer gesagt, ist es schon umgezogen, der neue Name ist Feuerhaken. Ein Neuer Name, ein neues Theme (genauso minimalistisch wie das alte), der alte Inhalt.
Hauptgrund war meine Unzufriedenheit mit dem Namen “Linkskritik”, der in einem Schnellschuss geboren wurde, und thematisch eigentlich gar nicht so sehr zu mir und meinem Blog passt. Feuerhaken ist im Gegensatz zu Linkskritik kein Schnellschuss gewesen, sondern das Ergebnis eines längeren Nachdenkens.
Damit ist nicht irgendein beliebiges heißes Eisen gemeint - der Name ist ein direkter Bezug auf jenen Feuerhaken, mit dem Ludwig Wittgenstein angeblich Karl Popper bedrohte (vgl. “Wie Wittgenstein Popper mit dem Feuerhaken drohte: Eine Ermittlung.” von David J. Edmonds und John A. Eidinow, 2001). Ein weltgeschichtlicher Anknüpfungspunkt für die verschiedenen Zugänge zu Politik und Gesellschaft in Graz, Österreich, Europa und der Welt, die ich hier zu meinem Ideal erklärt habe: Von einem liberal-sozialen Standpunkt ausgehende, kritische, manchmal ironischen, dann und wann unfreundlichen, aber auch heiße und aggressive Blicke und Kommentare.
Linkskritik werde ich noch so lange online lassen, bis ich sicher bin, alles gut nach Feuerhaken exportiert zu haben, und die Leserschaft hier deutlich gegen Null geht.
Liebe Grüße, Danke für’s Lesen, Entschuldigung für allfällige Unannehmlichkeiten!
“Falter” und Qualitätsjournalismus
April 30, 2008
Das ich diesen dritten Eintrag zu dem Thema verfasse, schmerzt besonders, da ich irgendwie doch auf den “Falter” gehofft habe - aber, nix da: Sowohl die Steiermarkausgabe, wie auch die große Version für Wien titeln groß mit dem Foto von ermittelnden Polizisten auf schwarzem Hintergrund - die Schlagzeile ist eine Adresse im “Ort des Bösen” (so der Untertitel, zumindest etwas Ironie). Ob das jetzt die “wirkliche” Adresse dieses Falles ist, was ich befürchte, ist fast schon egal, den jedenfalls suggeriert dieser Titel, dass sie es ist, und das man die Story drinnen lesen muss. Im Innenteil wird dann eine genau Chronologie des Falles geliefert, auf drei Seiten zwei Fotos des “Täters”. Sein Nachname wird abgekürzt, was, angesichts er Adressangabe, vor lauter Scheinheiligkeit dem Fass den Boden ausschlägt.
Nachdem die vorletzte gefallen ist, zieht sich meine Hoffnung nun in ihre letzte Bastion zurück, die deutsche Wochenzeitung “Die Zeit“, nur um festzustellen, dass es da genauso aussieht. Altersangabe, Adressangabe, genaue Chronologie des Falls…
Das ÖSFK veranstaltet seine jährliche Sommerakademie dieses Jahr vom 6. bis 11. Juli wieder in Schlaining (Burgenland). Das Thema lautet “Globale Armutsbekämpfung - ein Trojanisches Pferd?“. Vormittags gibt es Vorträge, Nachmittags Workshops und Abends wieder Vorträge oder Diskussionen. Die Teilnahmekosten betragen 50 EUR oder 25 EUR ermäßigt, es gibt die Möglichkeit kostenlos zu campen oder einen Schlafsack mitzunehmen und im örtlichen Turnsaal zu schlafen. Kostenpflichtig kann man sich in einem der Hotels oder Gasthöfe der Region einquartieren.
Ich war in den Jahren 2006 und 2007 dort und kann sagen, dass das “Lineup” das für diesen Preis geboten wird, großartig ist. Zwar ist die Veranstaltung, und besonders das Publikum, recht linkslastig und es finden sich auch einige extreme Positionen (vor allem Israel bekam in meiner Wahrnehmung ordentlich Fett weg), aber die Workshops und Vorträge waren großteils inhaltlich sehr gut.
Nähere Infos zu den Vortragenden, Diskussionsteilnehmern und Workshopleitern sowie das Programm und mehr gibt es hier
Update zum “Qualitätsjournalismus”
April 28, 2008
Nun zeigt auch orf.at den Verdächtigen groß und unzensiert auf der Startseite. Der “Standard.at” zwar nicht, aber dafür groß auf der eigenen Unterseite “Martyrium im Kellerverlies”. Ebenso groß zeigt ihn die Internetseite der “Kleinen Zeitung”. “Österreich” zeigt ihn, leicht unkenntlich gemacht, klein auf der Startseite. “Heute” und die “Salzburger Nachrichten” sind die einzigen, die ohne Foto auskommen. Das muss man sich bitte ganz genau durchdenken: Der “Standard”, die “Presse” und der orf bedienen auf tiefstem Boulevardniveau die Sensationsgier einiger Menschen, während “Heute” sich zurückhält!
Die Blödheit der Presse
April 28, 2008
Im Fall des Mannes der seine Tochter jahrzehntelang in einem Keller eingesperrt hatte, und mit ihr Kinder hatte (ich finde das ausgesprochen uninteressant und hab nur kurz jemand drüber reden hören, Fehler meinerseits bitte entschuldigen) entblödet sich die “Qualitätszeitung” die “Presse” nicht, in ihrer Onlineausgabe auf der Startseite groß ein Foto des Tatverdächtigen abzubilden. Der “Standard” bringt an dieser Stelle ein Foto aus dem “Verlies”, orf.at ebenso, auch “Heute” schlachtet das Thema ohne Foto aus. Die “Presse” befindet sich aber in Gesellschaft der Tageszeitungen “Krone” und der deutschen “BILD”. Glückwunsch! “Österreich” macht den “Täter” zwar unkenntlich, bringt aber dafür ein fettes Bild des “Opfers”. Findet das eigentlich sonst noch jemand zum speiben?
Van Staa vs Menschenrechte
April 27, 2008
Der widerliche wahlkämpfende Populist Landeshauptmann Herwig van Staa (ÖVP) tritt an, um gemeinsam mit der Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) und dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ), auf die er sich beruft, Österreich von kriminellen Ausländern zu reinigen: „Ich habe immer schon gesagt: Wer in die Kriminalität abgleitet, hat sein Asylrecht verwirkt.“
Once more…
April 27, 2008
Nachdem Alexander Van der Bellen bereits unlängst seine Übereinstimmung mit der ÖVP betont hat, legt er nun in der ORF-Pressestunde nach, wie die Tageszeitung “Die Presse” berichtet:
Er sehe zwar “große Übereinstimmung” mit der SPÖ, was das Programm angeht, vor allem bezüglich der Sozialpolitik, bei der Umsetzung ist er aber von der SPÖ enttäuscht. Außerdem habe sich die SPÖ bisher nie zu einer Zusammenarbeit mit den Grünen entschieden.
Eine Argumentation die nicht nur nicht überzeugend, sondern tendenziell dämlich ist, oder zumindest denen, die sie überzeugen soll, Dämlichkeit unterstellt. Einerseits ist “Wenn die SPÖ die Punkte die wir gut finden schon nicht richtig umsetzt, ziehen wir gleich die ÖVP, die diese Punkt ablehnt, vor” nicht wirklich ein sinnvolles Argument, andererseits bleibt Van der Bellen, soweit ich das mitbekommen haben, Beispiele schuldig, wo Rot-Grün möglich gewesen wäre, die SPÖ sich aber verweigert hätte. Der letzte Fall der ungefähr in diese Richtung geht, an den ich mich erinnern kann, war die Idee einer SPÖ-Minderheitsregierung nach den Nationalratswahlen 2006, deren Unterstützung die Grünen von vornherein ausgeschlossen haben. Letztlich, betont er, stehe aber der Kampf um Platz drei (gegen die FPÖ) im Vordergrund. Ich bezweifle, dass die Grünen da eine Chance haben…
Lieber Herr Van der Bellen, nun ist es wohl möglich, dass Sie den Wahlkampfschlager der Konservativen und Rechten, das “rot-grüne Gespenst”, erst gar nicht aufkommen lassen wollen. Wie sich eine Grüne Partei, die ihren Stammwählern ins Gesicht spukt, und alle progressiven und linken Wähler, die von der SPÖ geflüchtet sind, eiligst zu vertreiben sucht, im Kampf gegen eine immer stärker werdende FPÖ behaupten will, ist mir völlig unklar.
Nachtrag zum Handyverbot
April 26, 2008
Auf meine E-Mail hin haben nach wie vor nur KPÖ und BZÖ geantwortet. Von den Grünen, SPÖ, ÖVP, FPÖ und den GVB erwarte ich mir jetzt auch keine Antwort mehr. Um Missverständnissen vorzubeugen, ich hätte eine wilde Beschimpfunsorgie losgelassen, und zu Recht keine Antwort erhalten, hier das Grundgerüst der E-Mail:
Guten Tag,
ich finde, die Idee, Telefonieren in den Öffis zu verbieten nicht nur vorgestrig und dumm, sondern richtig kundenfeindlich. Das ist ein direkter Angriff auf den Lebensstil zumindest aller Menschen unter 40 und wohl auch darüber hinaus, meine gesamte Familie (von 16 Jahren bis 54 Jahren) ist sich darüber einig, dass das ein unnötiger Blödsinn ist. Es gibt einige wenige Jugendliche, die mit ihrem Handy laute Musik hören (ohne Ohrenhörer), ok, das nervt. Aber Telefonieren? Müsste man dann nicht konsequenterweise auch Sprechen verbieten? Oder Husten und Schnaufen? Ich weiß dass dieser Schwachsinn auf dem Mist von Bgm. Nagl gewachsen ist, aber ich möchte wissen, wie ihre Partei dazu steht?* Aber ich möchte auch wissen, was genau mir passiert, wenn ich trotz Verbotes in der Straßenbahn oder im Bus telefoniere?
*Im Mail an die ÖVP ist dieser Satz durch eine Frage nach der Begründung ersetzt worden. Im Mail an die GVB ebenso.
Unfreundlich und emotional, weil im “Affekt” geschrieben. Aber ich fände es trotzdem angebracht, mir zu antworten…
Inside Ku-Klux-Klan
April 25, 2008
nerdcore macht auf ein Interview im Focus aufmerksam - dieses soll nämlich mit den “beiden KKK-Führer Earl Johnson und Carl Dupre” geführt worden sein, die dort “offen über ihre Weltsicht” erzählen, und auch zur Präsidentschaftswahl in den USA Stellung beziehen:
FOCUS Online: Es steht ja vielleicht auch eine Frau zur Wahl …
Dupre: Hillary? Eine Frau gehört ins Haus. Aber nicht ins Weiße Haus.
und natürlich:
FOCUS Online: Barack Obama hat realistische Chancen, der erste farbige Präsident der USA zu werden. Das muss für ein Klanmitglied der Albtraum sein, oder?
Dupre: Sollte Obama, dieser muslimische Nigger, Präsident werden – (Dupre schüttelt das Sturmgewehr in seiner Hand) – so wird er das bestimmt nicht lange bleiben.FOCUS Online: Was meinen Sie damit?
Dupre: Sie werden schon sehen.
“Mehr Übereinstimmung mit der ÖVP”
April 24, 2008
Einer kurzen Verwunderung folgte ein langes Würgen, als ich auf derstandard.at einen Artikel über eine “Homestory” des Monatsmagazin DATUM las, deren Thema diegrüne Gier nach Macht zu sein schein.
“Objektiv gesehen aber sollte es mit der ÖVP eine Spur leichter gehen.” glaubt Alexander Van der Bellen. Ähnlich sieht es der zweite Teil des aktuellen Machtzentrums der Grünen, Eva Glawischnig: “Jeder Erfolg im linken Bereich wäre im Fall einer Koalition mit der ÖVP ein Erfolg für die Grünen. Das ginge bei Rot-Grün nicht so leicht.” Weil es ja wesentlich wichtiger ist, lieber weniger zu bewegen, und das für sich verbuchen zu können.
Differenzierter sehen das Peter Pilz und Johannes Voggenhuber, sie wären nur im Falle eines “radikalen Wandels” in der ÖVP für eine Koalition, aber Pilz darf wohl einfach a bissi rumspinnen und Voggenhuber ist eh ins EU-Parlament verschoben worden.
Ich frage mich - wie gehen extrem konservative bis reaktionäre Positionen in Gesellschaftsfragen, radikale Positionen im Bezug auf die Menschenrechte (Datenschutz, Überwachung, Ausländer, Asyl) wie sie in der ÖVP vertreten werden (nicht von irgendwem sondern vom Klubobmann und vom zuständigen Minister) mit den Grünen zusammen? Wo bleibt die Grüne Basis? Hat die sich schon verabschiedet und sind nur noch die Bobos da, die eigentlich eh eine Aussöhnung mit ihren Eltern wünschen?
Wenn man annimmt, das Alexander Van der Bellen und seiner innerer Machtzirkel sich wirklich etwas anderes davon versprechen, als bloße Macht, dann ist für mich nicht ersichtlich was. Die Verbindung zu den sozialliberalen und linken Grundwerten von denen die Grünen kommen, wie zB Busek, werden bei der ÖVP immer konsequent abgesägt. Und wenn sich die Grünen jetzt mit Platter und Schüssel ins Bett legen, dann ist jede Glaubwürdigkeit beim Teufel. Oder wie der User hannsib auf derstandard.at schreibt: “Nachdem Gusi sehr viele seiner Wähler zu den Grünen getrieben hat, versucht VDB sie wieder zurückzutreiben.”

